Projekte

Das Münster ist eines der am meistbesuchten Ausflugsziele, jährlich ziehen schätzungsweise 300‘000 Besucherinnen und Besucher durch seine Räume. Was suchen sie? Was wissen sie von dem Ort, dessen Atmosphäre sie einen kurzen oder längeren Moment auf sich wirken lassen?

Rauminstallationen und Ausstellungen waren dem Anliegen gewidmet, den Besucherinnen und Besucher des Münsters die Aktualität seiner Botschaften zugänglich zu machen. Das stiess auch auf Ablehnung (sie wurde selten explizit geässert, war aber implizit häufig spürbar). Der tiefste Grund für sie war auch für mich lange Zeit kaum fassbar. Heute meine ich, dass diese Eingriffe in den Raum des Münsters den breit etablierten Friedensschluss der neuzeitlichen Sozialordnung in Frage stellten: Die bekennende („konfessionelle“) Botschaft hat ihr allseits toleriertes Refugium in der zeitlich begrenzten Beanspruchung des Kirchenraums durch die Gottesdienste. Voraussetzung für diese Toleranz ist, dass das Münster als Kulturdenkmal konfessionsneutral offen bleibt und den Besuchenden keine Botschaften mitgeben will, die inhaltlich bestimmt in das aktuelle Denken greifen und dieses herausforden.

(Die nachfolgend genannten Publikationen können bestellt werden über die elektronische Adresse kontaktATdasbaslermuenster.ch.)

Im Jahr 1995 traten zeitgenössische Bilder und Texte in einen Dialog mit ausgewählten Ausstattungsstücken des Münsters. Ausgehend vom Sendschreiben des Propheten an die Juden in Babylon, trug das Projekt den Namen: „Der Friede der Stadt“ (Jeremia 29,10). Beatrice Mahler führte die Regie des Kirchenspiels, Dorothea Erny gestaltete die Ausstellung. Heft Des Kaisers Kathedrale

1996 wurde das Todesjahr Martin Luthers in Basel zum „Humanismusjahr“ ausgerufen. Es lag nahe, beim Erasmusgrab den literarischen Streit zwischen Erasmus und Luther zu vergegenwärtigen. Broschüre Erasmus und Luther

Eine Renovation des Gewölbes machte es 1998 nötig, das Kirchenschiff abzusperren und die Gottesdienste im Hochchor zu feiern. Das gab Gelegenheit, einen Wettbewerb auszuschreiben und Künstlerinnen und Künstler einzuladen, mit ihrem Schaffen in einen Dialog mit den mittelalterlichen Kapitellen zu treten.
Das Menschenleben – die Kapitelle im Hochchor
Die ausgewählten Werke wurden an der Trennwand im Seitenschiff ausgestellt. Bei den begleitenden Veranstaltungen zeigte sich leider, dass die Bereitschaft zum Dialog auf Seiten der Gemeindeglieder grösser war als auf Seiten der Kulturschaffenden. Es sind nicht nur die Pfarrer, sondern oft auch die Kunstschaffenden, die allzu selbstsicher davon ausgehen, dass es an ihnen ist, einer wegweisenden Botschaft Ausdruck zu verleihen, und an der Gemeinde, das dankbar auf sich wirken zu lassen…

Zum spektakulär gefeierte Jubiläum der Vollendung des Münsters im Jahr 2000 konnte ich zusammen mit Dorothea Erny eine kleine Ausstellung bei der Baumeistertafel beitragen, die anschaulich machte, dass die Bautätigkeit das Leben der Kirche durch alle Zeiten begleitet hat und rund um den Globus auch heute dem Glauben zu handfester Gemeinschaft verhilft. Ein Gebetsweg durch das Münster formte diese Erkenntnis zu einer zielgerichteten, schlicht gehaltenen Liturgie.
Im Auftrag der Münsterkommission gab ich zu diesem Anlass die Reihe Basler Münster heraus: Eine Serie von Heften, die das – damals – vorhandene kunsthistorische, geschichtliche und theologische Wissen zusammengetrug und reich bebildert zugänglich machte:
Die Glasmalereiausstattung des 19.Jahrhunderts (Anne Nagel, Hortensia von Roda)
Grabmaler und Epitaphien des Münsters und seiner Kreuzgange (Anne Nagel)
Die Pflanzen an der Westfassade (Brigitte Meles, Marilise Rieder)
Das mittelalterliche Chorgestühl (Monika Zutter)
Die Münsterbauhütte (Christine Ochsner)
Die Münsterorgeln (Urs Fischer)
Das Evangelium in Stein, Farbe und Glas (Franz Christ, Bernhard Rothen) Das Evangelium in Stein…

Im Jahr 2001 feierten die beiden Basel ihren Beitritt zur Eidgenossenschaft. Zu diesem Anlass erinnerten zwei Rauminstallationen an das Werk des Friedensstifters von Stans, Niklaus von Flüe, Bruder Klaus genannt. Denn der von ihm vermittelte Ausgleich zwischen Stadt und Land bildet ja bis heute die Grundlage für das schweizerische Staatswesen. Eine grosse Installation im Hochchor war dem einzigen authentischen Wort von Bruder Klaus gewidmet, seinem Brief an die Berner Ratsherren. Auf dem Grundriss seines Gebetszeichens wurden die Themen dieses Briefes ins Gespräch gebracht mit den Herausforderungen unserer Gegenwart. In der Krypta vergegenwärtigte eine kleinere Installation den Lebensweg des Friedensstifters. Im Zentrum stand das Gedenken an seine Frau Dorothea. Zwölf zeitgenössische Frauenschicksalen erinnerten daran, dass Frauen wie sie – meist ohne historisch greifbare Dokumente zu hinterlassen – mit ihrem Wissen und Wirken, ihrem Dulden, Dasein und Lieben dem Guten Form und Substanz geben.
Dieses Projekt ist nach Stationen in verschiedenen Gemeinden und Pfarreien wieterhin auf dem Weg.
Vom 1. August 2020 bis zum 30.Juni 2021 steht die grosse Installation in Hundwil: http://vonliebewegen.ch

Im Jahr 2008 wurde das Projekt Münster für Kinder in  Angriff genommen: Arbeitsblätter, ein „MemoMü“ und ein Erzählbuch dienen dem Wunsch, etwas von dem überreichen Inhalten, die das Münster vergegenwärtigt, für die jüngeren Besucherinnen und Besucher zugänglich zu machen.
Rundgang für Kinder.

Erzählbuch Es war einmal, ISBN 978-3-905290-50-9Erzählbuch „Es war einmal…“ ISBN 978-3-905290-50-9
Die intensive Bechäftigung mit dem Raum und den Erbauern des Münsters kam im Jubiläumsjahr 2019 zu einem gewissen Abschluss durch die Publikation des Buches: Das Basler Münster.Tausend Jahre mit Christus.

Im Jahr 2008 gab die Fussball-Europameisterschaft den Anstoss dazu, im Münster und in der St. Jakobskirche die Thematik „Spiel und Kampf“ in Szene zu setzen. In der St. Jakobsskirche geschah das mit einer Videoinstallation, die Gemälden aus dem Schatz der Basler Kunstsammlung in einen spannungsreichen Dialog mit dem Fussball und mit den weisheitlichen und prophetischen Worten der Bibel brachte. Im Münster boten die Kapitelle im Hochchor die Gelegenheit, die Kämpfe des Lebens und das Spiel von Liebe und Leid in der Auseinandersetzung mit dem modernen Massensport zu thematisieren. Die Videoinstallation kann bestellt werden: kontaktATdasbaslermuenster.ch.
Kampf und Spiel, zur Euro2008.
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